Pilgerspiritualität

Pilgern schärft die Sinne für Besonderheiten am Wegrand und vertieft die Wahrnehmungsfähigkeit. Natur und Kulturgüter sowie unverhoffte Begegnungen mit Menschen lassen immer wieder staunen. Damit ist Pilgern eine öffnende, individuelle Art der Frömmigkeit, die dazu einlädt, sich als Beschenkte/r zu erfahren.

Wer mit fixen Erwartungen aufbricht, wird möglicherweise enttäuscht. Und doch können beim Pilgern heilende Kräfte für Körper, Seele und Geist freigesetzt werden. Das tägliche Unterwegssein stärkt den Körper, fördert achtsames Nachdenken und macht neu bewusst, Teil der göttlichen Schöpfung zu sein. Befreit vom Alltag beginnen die Gedanken zu fliessen, manches kann buchstäblich hinter sich gelassen werden. Dank der Reduktion auf das Wesentliche – Essen, Schlafen, Vorwärtskommen – und durch das regelmässige Gehen ordnen sich auch im Verstand Lebensthemen neu: manches relativiert sich, anderes wird zentraler.

Manchmal wird schon das Gehen zum „Geh-bet, zum Beten mit den Füssen. Das langsame, gleichmässige Vorwärtsschreiten wird zur Meditation und eröffnet den Dialog mit dem, was der Weg an Begegnung anbietet.

Bild: Fusswaschung, Foto von Thomas Schweizer

Impulse für Unterwegs
Für einige, vor allem aber auch für Gruppen, können Texte, Gebete oder Rituale eine Hilfe sein. Eine Sammlung von Impulsen bietet die Website des Projektes Europäische Jakobswege.

Biblisch stark verwurzelt ist die Vorstellung des Lebens als Pilgerweg. Einige interessante Artikel und Vorträge zu diesem Thema finden sich im Steinbruch.

Ebenso steht ein Pilgerheft mit Liedern, Stempelfeldenr und besinnlichen Texten zur Verfügung, die sich für kurze Impulse unterwegs eignen. Das Heft kostet CHF 4.- (plus Porto) und ist bei Jakobsweg CH bestellbar.

Auch kürzeres Pilgern kann Wandlungsprozesse einleiten. Gerade in Übergangssituationen können unterwegs manchmal Entscheidungen gefällt werden, die vorher blockiert waren. Beziehungsfragen können geklärt oder neue Perspektiven entdeckt werden. Pilgerbegleitende, die die Ausbildung der Europäischen Jakobswegprojekte durchlaufen haben (EJW), sind dabei gute Begleiter/innen. Sie bieten Pilgerangebote an, bei denen man in kleineren Gruppen gemeinsam unterwegs ist.