Pilgern damals und heute

Pilgern damals
Die Bedeutung des Pilgerns hat sich seit dem Mittelalter stark gewandelt. Damals waren Pilgern und der Besuch heiliger Stätten ein Mittel, Gott gnädig zu stimmen, den man sich vor allem als gerechten, strafenden Richter vorstellte. Die Angst vor Gottes Ablehnung trieb Menschen zu Höchstleistungen. Wohlhabende spendeten Geld und liessen Kapellen und Kathedralen bauen. Andere suchten Schutz und Hilfe bei einem Heiligen, z. B. bei Jakobus, den man auf einer Pilgerreise nach Santiago aufsuchte. Nach einer Pilgerreise konnten die Gläubigen damit rechnen, dass Gott ihnen ihre Schuld erlässt.

Gwatt, Foto: Gabriele Saputelli

Pilgern heute
Heute ist die Bedeutung des Pilgerns eine andere geworden. Pilgern erwächst aus der Sehnsucht nach einem befreiten, erfüllten Leben. Menschen brechen auf, weil sie das Bedürfnis nach einer Auszeit verspüren. Sie möchten die Enge und Hektik des modernen Lebens hinter sich lassen und unterwegs nach Weite, Sinn und Orientierung suchen. Manche brechen auch auf, um in einer Lebenskrise wieder Boden unter die Füsse zu bekommen. Andere suchen nach Antworten auf Fragen des Lebens, nach Trost nach einem schmerzhaften Verlust oder nach Neuorientierung in einer Übergangssituation. Oder sie sehnen sich einfach danach, einmal aus dem täglichen Trott auszubrechen und mit einer herausfordernden sportlichen Leistung eine prägende biographische Wegmarke zu setzen.