Reformierte Kirche als Konfession

Reformiert zu sein war in den Anfängen des 16. Jahrhunderts und in deren Folge ein konfessionelles, heute ist Reformiert-sein ein gesellschaftliches Profil.

In der Auseinandersetzung mit der Kirche des Papsttums formulierte die reformierte Kirche zusammen mit den anderen evangelischen Kirchen einige profilierte Ausschliesslichkeiten: Allein die Schrift, allein aus Glauben, Christus allein.


Sola scriptura
Mit der Devise, dass die Bibel als heilige Schrift die einzige verbindliche Norm sei für das Leben und den Glauben der Kirche und ihrer Glieder, entzog sie den Bischöfen und dem Papst als den kirchlichen Autoritäten die Befugnis, in Fragen des Glaubens und des Lebens Vorschriften zu erlassen. Die Heilige Schrift galt als der alleinige Massstab, nach dem die Kirche zu erneuern und fortan zu leiten und zu gestalten sei. Alle Theologie wurde biblische Theologie. Kirchliche Tradition wurde als Interpretationshilfe der Bibel abgelehnt. Es galt allein das Wort.


Sola fide, sola gratia
Insbesondere Martin Luther, aber nicht minder auch die reformierten Kirchen lehrten die Rechtfertigung des Sünders allein aus Glauben. Verdienstliche gute Werke wie Almosen, das Hersagen von vielen Gebeten, Wallfahren zu unternehmen und Heiligenbilder zu spenden dienten in keiner Weise zur Seligkeit. Mit Gott sollte nicht verhandelt, auf Gott sollte vertraut werden.


Solus Christus
Die Betonung, allein der Glaube führe zur Seligkeit, gründete auf dem evangelischen Gedanken, dass Christus allein der Erlöser der ohne ihn zu ewigem Tod verurteilten Menschheit ist. Was er und zwar er allein durch sein Leiden und Sterben erbracht hat, hat Gültigkeit zur Vergebung der Sünden und zur Erlösung vom Tod. Damit war auch abgelehnt, dass es verdienstliche gute Werke der Heiligen gäbe, die von der Kirche verwaltet würden und anderen Menschen zu Gute kämen.  Auch die Fürbitte Marias und der Heiligen und deren Anrufung wurden abgelehnt. Christus gilt als der einzige und alleinige Mittler zwischen Gott und Mensch.

Die Ausschliesslichkeiten der Reformation des 16. Jahrhunderts mögen heute befremden. Bedenkenswert wären sie indessen nach wie vor in einer Zeit, die an die Machbarkeit aller Dinge glaubt und damit die Menschen dem Schicksal fremdbestimmender Autokraten ausliefert oder der eigenen Überforderung.


Reformierte Kirche als gesellschaftlich offene Kirche
Heute reformiert zu sein, ist weniger ein zwischenkirchliches, als vielmehr ein gesellschaftliches Profil. Die reformierte Kirche will als eine ökumenisch und gesellschaftlich offene Kirche, eine Kirche der Freiheit, der Hoffnung und des Friedens verstanden werden.


Kirche der Freiheit
Die neue Religiosität der postmodernen Gesellschaft ist ein Phänomen, das sich auch innerhalb der Kirche manifestiert. Die Menschen orientieren sich selbständig. Zu Recht lehnen sie ab, was autoritär und ausschliesslich daher kommt. Reformiert zu sein bedeutet, dass wir als Kirche in ihrer volkskirchlichen Erscheinungsform die Vielfalt an Glauben und gelebter Frömmigkeit integrieren und anders Glaubenden nicht die Türe weisen. Als reformierte Kirche bieten wir das Evangelium als Lebensmöglichkeit so an, dass es Menschen, die mit ihrer religiösen Herkunft Mühe haben, nicht als überholte Wahrheit erscheint, sondern als Wahrheit, die sie befreit, und die es wert ist, sich mit ihr auseinander zu setzen.


Kirche der Hoffnung
Die reformierte Kirche übt theologisch und in Glaubensfragen keinen Zwang aus. Sie nimmt die Not der Welt und des Lebens ernst, ohne in der Frage des «Warum?» einfache Erklärungen zu präsentieren. Ihre Verkündigung, die Begleitung der Menschen und das soziale Engagement richtet sie aus nach dem Massstab des Menschen Möglichen. Sie weiss aber, dass Welt und Wirklichkeit nicht in der Verfügung der Menschen stehen. Sie vertraut auf das Wirken des Heiligen Geistes und ist dafür offen, ihn walten zu lassen. Die reformierte Kirche ist eine Kirche der Hoffnung.


Kirche des Friedens
Die reformierte Kirche versteht das Evangelium von Jesus Christus als eine Botschaft des Friedens. Sie tritt ein für den ökumenischen und interreligiösen Dialog, weltweit und bei uns, und interkulturell für Verständigung und Versöhnung.

 

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